Interview mit Maryam Kurowski

Aktualisiert: 28. Aug 2019



Maryam ist eine leidenschaftliche Lobpreisleiterin und Teil des Jeremia-Werks in Friedberg. Ich liebe es mit ihr zusammen anzubeten, ihre starke Liebe zu Jesus steckt mich immer mit neuem Feuer an. Viel Spaß bei den Schätzen, die sie uns weitergibt!


Maryam, Lobpreis ist zwar Teil deines Jobs, aber es ist auch deine Berufung und so viel mehr als Musik machen. Was ist Lobpreis und Anbetung für dich?


Anbetung für mich ist unsere natürliche Antwort auf die Größe und die Schönheit Gottes. Es ist ein in Einklang Kommen mit der Realität des Himmels. Das Verlangen etwas Größeres anzubeten steckt in jedem von uns. Wir sind dazu geschaffen. Und wenn es nicht Jesus ist, dann beten wir jemanden oder etwas anderes an.


Das heißt ja eigentlich auch, dass wir jeden Tag neu entscheiden können wen oder was wir anbeten. Wie wird denn die Anbetung Gottes zu einem Lebensstil?


Es wird zu einem Lebensstil indem wir es zu einem machen. So wie das auch z.B. beim veganen Lebensstil ist. Man wird Veganer indem man seine Ernährung umstellt. Nicht durch einem äußerlichen Druck, sondern aus leidenschaftlicher Überzeugung. Ganz praktisch würde das bedeuten, regelmäßig anzubeten. Nicht aus einem komischen Zwang heraus, sondern aus einem überfließenden Herzen. Es gibt auch Momente, wo mein Herz mit Schmerz oder Trauer überfließt. An diesen Punkten fordere ich meinen Geist heraus mit dem Geist Gottes Gemeinschaft zu haben und beginne anzubeten, auch wenn es zunächst schwer fällt. Nach ein, zwei Minuten verändert sich dann meine Perspektive und ich komme in den Einklang mit der Realität Gottes.


Du hast gerade angesprochen, dass unsere Anbetung etwas mit unserem Geist zu tun hat. Was geschieht denn in der geistlichen Welt, wenn wir anbeten und was macht das mit Gottes Herzen?


Wenn wir anbeten, tauchen wir ein in die Gemeinschaft der Überwinder-Gemeinde des Himmels und einer Vielzahl von Engeln und Heiligen. Wir werden eins mit der Realität, die vor dem Thron Gottes ist. In diesem Moment werden Himmel und Erde eins. In der Anbetung kann Jesus beginnen an dem Ort, an dem wir in anbeten, ganz real auf der Erde zu regieren. Wir erkennen seine Herrschaft an und bekommen einen Vorgeschmack auf das, was eines Tages für die ganze Welt kommen wird. In diesen Momenten freut sich das Herz Gottes. Er braucht unsere Anbetung nicht aber er liebt sie so sehr. Es berührt sein Herz und er jubelt mit und über uns.


Hast du Erfahrung mit Lobpreis als geistliche Kriegsführung?


Ja. Ich denke, das geschieht fast jedes Mal, obwohl es sich nicht immer so intensiv anfühlt. Aber ich habe auch bei bestimmten Dienstreisen und Events erlebt, dass es sehr konkret wurde. Oftmals bereite ich Events vor, indem ich über ihnen anbete. Dadurch kann Jesus beginnen darüber zu regieren, denn ich erkenne seine Regentschaft an und ordne mich ihr unter. In diesen Moment geschieht ein Herrschaftswechsel. Aber wir reisen auch an bestimmte geografische Orte, die Gott uns offenbart, „nur“ um dort anzubeten, damit Jesus beginnen kann, dort real zu regieren. Unsere Anbetung und unser Ja zu seiner Macht gibt ihm ein legales Recht auf der Erde kraftvoll zu wirken.


Wie ist es für dich, mit deinen Eltern und Brüdern zusammen im geistlichen Dienst zu sein?


Es ist ein großer Segen und ein Vorrecht für mich. Als ich jünger war hätte ich mir das nie vorstellen können. Jetzt leiten wir einen Dienst gemeinsam, beten zusammen an, wachsen im Glauben und bauen als ein Team durch die Führung des Heiligen Geistes das Königreich Gottes. Ich bin davon überzeugt, dass Gottes Reich anfängt kraftvoll zu wachsen, wenn es zunächst die kleinsten Zellen unseres Lebens durchdringt. In den engsten Beziehungen, der Familie etc. und dann erst darüber hinaus auch in der Gesellschaft. Ich fühle mich so gesegnet, dass ich das gemeinsam mit meinen Blutsverwandten tun darf. Das ist nicht selbstverständlich.

Ihr seid außerdem eine extrem musikalische Familie und du bist dadurch sehr früh ins Lobpreisleiten hineingewachsen. Was heißt es für dich, eine Lobpreiszeit zu leiten und wie viel Fokus liegt dabei auf den anwesenden Personen?


Für mich bedeutet Lobpreis leiten, dass ich meinen Blick immer auf Jesus richte und was er gerade tut und wie er sich fühlt. Nicht nur in seiner Position als ewiger und würdiger König, sondern auch als der menschgewordene Gott, dessen Herz für jeden Einzelnen im Raum leidenschaftlich schlägt. Wenn ich also meinen Blick auf die Anwesenden richte, dann immer im Kontext zu Jesus. Wenn ich dann ein Ungleichgewicht wahrnehme oder Spannung, dann immer aus dem Blickwinkel Gottes, der zugleich immer der Weg heraus ist. Im Nachhinein kann ich dann auch Einzelne beiseite nehmen und nach Feedback fragen: Wie hast du die Zeit wahrgenommen? Hast du dich wohl gefühlt? Etc. Oftmals arbeite ich auch eng mit den Betern und den Propheten im Raum zusammen. Wir wechseln Blicke oder reden zwischen zwei Lieder kurz. Dann können sie mir weitergeben, was sie momentan im Raum wahrnehmen und wo Blockaden sind. Das ist meistens super hilfreich, weil sie in dem Moment einen ganz anderen und viel weiteren Blick haben als ich.


Du hast auch viel Erfahrung im Lobpreisen mit Kindern. Gibt es da einen Unterschied zu Erwachsenen? Wie erleben Kinder die Anbetungszeit?


Ein großer Unterscheid ist die Art und Weise, wie ich die Kinder anleite. Zunächst gebe ich Ihnen eine kleine Einführung in die unsichtbare Welt und tausche mich mit ihnen aus über das, was sie schon alles um den Thron herum gesehen haben. Danach haben wir eine gemeinsame Basis, auf der wir zusammen in die Anbetung gehen. Dabei ist dann allen klar, dass wir nicht alleine anbeten, sondern auch Engel und Heilige vor dem Thron Gottes sind und, dass wenn diese Wesen eine Ewigkeit lang Jesus anschauen und anbeten können, wir das auch für ein paar Minuten können. Nach ein zwei Lieder frage ich oft, ob jemand schon Gottes Präsenz im Raum spüren kann oder etwas anderes wahrnimmt. Da sagen die Kids oft Sachen wie: „Ich hab den Boden wackeln gespürt, weil Gott aus dem Garten hier reingekommen ist beim Singen.“ oder „Da sind ganz viele Engel im Raum, die Tanzen im Kreis um Jesus herum.“ oder sie beschreiben ganz schlicht: „Mir ist es ganz warm ums Herz, weil Gott da ist“. Auch wenn es oft von außen nicht so aussieht, tauchen sie ganz selbstverständlich in diese Realität ein. Sie lassen sich total unbefangen auf die Einladung Gottes ein, ihm zu begegnen und ihn anzubeten. Ein Schlüssel die Kinder an diesen Ort zu führen ist, dass ich sie sehr ernst nehme und immer wieder mit ihnen im Dialog bleibe. Anstatt sie mit Tanzbewegungen zu beschäftigen, nehme ich ihre geistliche Reife ernst und frage was sie wahrnehmen. Und dann kann auch die Lobpreiszeit von den Kindern mitgestaltet werden. Dadurch, dass ein Kind tanzende Engel gesehen hat, können wir dann gemeinsam zu den Fahnen greifen und mit den Engeln für Jesus tanzen.


Das klingt wunderschön! Ich glaube, wir Erwachsenen können auch eine Einführung in die unsichtbare Welt gebrauchen (lacht). Wenn du ein Lobpreisset vorbereitest, wie viel Planung muss hierfür deiner Meinung nach sein?


Hier würde ich auch sagen, dass das sehr vom Setting abhängt. Es gibt dabei zwei Ebenen, das „geistliche“ und das „praktische“ Planen. Generell empfinde ich es als super wichtig in der Vorbereitung reichlich Zeit zu haben, um zu spüren was Gott für das Set, die Gruppe oder die Veranstaltung vorbereitet hat. Was für eine Bewegung ist gerade im Himmel und wie können wir da mit einsteigen? Es wäre schade, wenn wir uns davon unabhängig machen würden, wo uns der Himmel doch offen steht und das der Ort ist, an dem 24/7 angebetet wird. Wenn ich das erspürt habe, kann ich dann auch beginnen Lieder rauszusuchen. Meine Liederlisten haben in der Regel viel mehr Lieder als wir in der vorgegeben Zeit singen könnten. So bin ich aber etwas flexibler, während des Sets dem Wirken Gottes auch mit entsprechenden Liedern nachzugehen. Wichtig ist natürlich, die Tonarten zu checken, ob sie gut zu singen sind. Dabei ist es auch hilfreich jemanden vom anderen Geschlecht zu fragen, ob es gut singbar ist. Wie viel man mit einer Band proben muss, hängt von vielen Faktoren ab: Wie sehr ist man schon ein eingespieltes Team, musikalisch aber auch geistlich? Um was für eine Veranstaltung handelt es sich?


Was sind deine größten Herausforderungen als Lobpreisleiterin?


Die Herausforderungen sind abhängig von dem Land, in dem ich bin, aber auch von der Zusammensetzung der Gruppe. Momentan lebe ich in Deutschland und ich empfinde, dass es Gruppen manchmal sehr schwer fällt, gemeinschaftlich Gott anzubeten. Oft bleiben Leute in ihrer eigenen Blase und können sich nicht so gut auf die Bewegung des Himmels zusammen einlassen. Das ist schade, weil Anbetung in Einheit so viel freisetzen kann. Kommunikation ist in mancherlei Hinsicht auch eine große Herausforderung für mich. Schon oft habe ich erlebt, dass ich bei Veranstaltungen eingeladen war und mir explizit gesagt wurde, dass ich so viel Zeit nehmen kann, wie ich möchte. Es gäbe kein zeitliches Limit für die Anbetung, ich soll mich einfach vom Geist Gottes und seinem Wirken leiten lassen. Und dann gab es doch einen Plan und eine bevorzugte Zeit und die Anbetung wurde mitten in einem heiligen Moment abrupt beendet. Das war oft sehr schmerzlich für mich, weil ich meinen Dienst vor Gott nicht zu Ende bringen konnte. Daraus habe ich gelernt und jetzt frage ich so lange nach, bis ich das Gefühl habe, dass wir tatsächlich auf einem gemeinsamen Nenner sind mit dem ganzen Team.


Deine Ermutigung an Lobpreisleiter?


Sei mutig herauszufinden, wie Gott dich individuell gebrauchen möchte. Es gibt so viele Formen der Anbetung, die noch zu entdecken sind. Auch wenn es kraftvoll ist von anderen zu lernen, würde ich dich ermutigen dich nicht zuerst von andern Leitern inspirieren zu lassen. Geh im Geist vor den Thron von Jesus. Was ist deine natürliche Antwort auf seine Schönheit und Macht? Wie drückst du dich vor ihm aus? Kultiviere deine Zeiten mit Jesus alleine, denn seinem Herzen zu dienen ist das Höchste. Das ist das Fundament für alles.


Was wünschst du dir für den Lobpreis in Deutschland?


Mut, sich auf Gottes Wirken voll einzulassen und im Angesicht Gottes sich und seine eigenen Erwartungen mehr und mehr zu vergessen. Feurige Leidenschaft, die ein ganzes Volk zu Anbetern werden lässt. Und noch so vieles mehr!


Vielen, vielen Dank, Maryam, für deine Zeit und deine wertvollen Gedanken!


ZUM TIEFER GEHEN:


- Offenbarung 4,2-11

- Johannes 3,5-8

- Titus 1,6

- Matthäus 18,1-4

- Epheser 6,12



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