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Gott verherrlichen und nicht den Menschen - Interview mit Nina Artyushevskiy



Nina ist eine kraftvolle junge Lobpreisstimme in unserem Land, bekannt wurde sie vor allem durch ihr Lied Sehnsucht. Doch am meisten begeistert mich, wie fest ihre Identität in Jesus verankert ist. Es war eine Freude, mich mit ihr hinzusetzen und ihr Herz für Lobpreis zu hören. Viel Spaß!


Nina, wie kamst du zum Lobpreisen?


Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen und mit 6 Jahren habe ich angefangen klassischen Klavierunterricht zu nehmen. Mit 13 kam in der Gemeinde jemand auf mich zu und meinte: „Nina, du spielst doch Klavier? Komm einfach am Sonntag mal um halb 9 in die Gemeinde.“ Dort wurde mir dann ein Akkordblatt ans Klavier hingestellt. Ich wusste überhaupt nicht, was ich mit diesen Buchstaben anfangen soll. Da war gar keine Erklärung. Einfach so, hier, bitteschön :) Das muss sich echt schrecklich angehört haben am Anfang. (lacht) So bin ich im Lobpreisteam gelandet. Ich habe dann jede Woche gespielt, weil es sonst niemanden gab. Irgendwann habe ich angefangen auf Jugendfreizeiten zu spielen, zweite Stimme zu singen und Lieder selbst zu leiten. Das erste Lobpreisset komplett geleitet habe ich dann mit 15.


Wie ging es nach deiner Schulzeit dann weiter?


Mit 18 Jahren bin ich für ein Jahr nach Bad Gandersheim ins Glaubenszentrum gegangen. Danach habe ich bei Frankfurt ein weiteres Jüngerschaftsjahr gemacht und bin im Anschluss für 1,5 Jahre nach Mexiko. Das war krass, weil bei all diesen Schulen und Programmen durfte man im ersten Jahr keinen Lobpreis leiten und so hatte ich eine Lobpreispause von ungefähr 3 Jahren. Und das war sogar richtig gut, weil ich gemerkt habe, dass Lobpreisleiten zu meiner Identität geworden war. Ich wusste gar nicht, was ich sonst in einer Gemeinde bringen könnte. Auf der Bibelschule war es dann das erste Mal, dass Leute mich einfach für das kannten, wer ich bin und nicht als „die mit der Stimme“, die Lobpreis leitet. Das war sehr wertvoll für mich.


Wie bist du zur Schule der Erweckung gekommen?


Vor und besonders während meiner Zeit in Mexiko habe ich auch viele negative Erfahrungen in Diensten und Gemeinden gemacht. Als ich zurück nach Deutschland kam war ich zerbrochen wie noch nie in meinem Leben. In diesem Tiefpunkt habe ich zu Gott gerufen: „Gott, ich wollte dir doch einfach nur folgen! Was ist falsch gelaufen? Ich habe gesehen, wie du Wunder im Leben von anderen Menschen tust, aber jetzt brauche ich ein Wunder." Gott hat dann zu mir gesprochen: „Ich will dich wiederherstellen, geh nach Füssen.“ Ich wusste, dass es die Stimme Gottes war, also habe ich mich beworben. Und es war einfach krass. Innerhalb von wenigen Wochen hat Gott mich geheilt und wiederhergestellt, das war total übernatürlich. Ich war wieder ich selbst, wie seit Jahren nicht mehr. Nach einem Jahr als Studentin habe ich dann angefangen dort zu arbeiten.


Bis du deinen Mann kennengelernt hast?


Genau, nach ca. 1,5 Jahren als Mitarbeiterin hat Gott mich gerufen das Bootcamp von CfaN (Christ for all Nations) in Florida zu machen, wo ich meinen Mann kennengelernt habe. Danach wussten wir, es geht nach Deutschland und wir hatten das Gefühl, dass die Awakening Church in Lörrach ein guter Ort ist, wo Denis als Englischsprachiger erst einmal ankommen kann. Wir sind jetzt für ein halbes Jahr in Äthiopien und wie es danach weitergeht, wissen wir noch nicht.


Wie ist denn dein Lied Sehnsucht entstanden?


Während meiner Zeit der Wiederherstellung in Füssen, saß ich einmal am Klavier und mein Gebet war: „Gott ich will zurück zu dem, wie meine Intimität mit dir vor allem Zerbruch war.“ Ich hab Jesus vermisst und die Art wie ich ihn einmal kannte. Und ich habe gemerkt, dass durch den Schmerz in einer Art und Weise etwas zwischen uns gekommen war. Da war so eine Sehnsucht nach dieser echten, tiefen, völligen Hingabe und danach ihn so real wie davor zu erleben. Diese Gedanken habe ich am Klavier verarbeitet, während ich gespielt und gesungen habe. Und weil ich mir während dem Singen keine Gedanken darüber machen möchte, ob es sich lohnt etwas aufzunehmen oder nicht, hab ich immer mein Handy an, lege es irgendwohin und dann ist das aus meinem Kopf raus. Mein Plan war also überhaupt nicht ein Lied zu schreiben. Das kam einfach so aus mir heraus.

Es war ein purer Herzensschrei in dem Moment.

Im Sommer danach hatten wir uns mit ein paar Leuten in einem Tonstudio getroffen, um Musik zu machen. Da kam mir plötzlich das Lied wieder. Das war zu dem Zeitpunkt ungefähr neun Monate später. Ich habe es ihnen vorgespielt und sie meinten zu mir: "Nina, du musst das fertig schreiben. Das ist so krass.“ Also habe ich es zuhause fertig geschrieben. Es ist wirklich aus einem sehr echten, rohen und verletzlichen Moment entstanden. Ich glaube das ist auch das, was die Leute in dem Moment spüren.


Wie waren die Reaktionen auf deine Lieder und das Album Sehnsucht mit der SDE?


Wir hatten das Album mit der Schule der Erweckung bei unserer Konferenz aufgenommen und wollten einfach sehen, was daraus wird. Als dann mein Lied Sehnsucht als Single herauskam, war ich schon auf dem Weg nach Florida. Ich fand das spannend und auch irgendwie cool, dass Gott mich direkt aus Deutschland rausgenommen hat. Ich hab die Reaktionen dann gar nicht vor Ort mitbekommen, aber eben durch die hunderten Nachrichten, die dann kamen. Erst als ich dann nach Deutschland zurückkam, waren die Leute dann so: „Ah bist du die Nina von Sehnsucht?“


Ja, du bist relativ schnell bekannt geworden. Hat das etwas mit dir gemacht?


Wir hatten echt überhaupt nicht damit gerechnet, sondern dachten uns, wenn das 1000 Leute hören, wäre das schon toll. Und darum ging es uns auch nicht. Ich mach mir persönlich auch nicht viel daraus. Aber ich merke schon, dass damit natürlich eine Verantwortung kommt. Leute schauen auf dich und haben eine andere Erwartungshaltung. Auf der einen Seite ist das krass, dass man so einen Einfluss auf das Leben von Menschen anvertraut bekommt. Gleichzeitig habe ich auch gemerkt, dass wir in der christlichen Bubble vieles ungesund leben. Zum Teil wurde es mir schon zu viel und ich habe gesagt:

Gott, ich will nicht Musik machen, die Leute abhängig von mir macht und dass sie nachher mehr über mich reden als über dich. 

Es ist letztendlich genau das Gegenteil von Lobpreis. Ja, wir dürfen natürlich die Gabe von Leuten auf ihrem Leben ehren und sagen, was das für ein Segen ist und gleichzeitig müssen wir vorsichtig sein, dass wir nicht in ein Ding reinrutschen, wo wir den Menschen dahinter verherrlichen.


Absolut! Wie schaffst du es auf eine gesunde Art mit wachsendem Ruhm umzugehen?


Dieser Prozess in den Jahren, wo ich nicht Lobpreis geleitet habe, war deshalb so wichtig, weil ich dem falschen Fokus gestorben bin. Ich kam an den Punkt zu sagen:

Wenn ich nochmal Lobpreis leite ist das cool, aber wenn ich nie wieder auf einer Bühne stehe, ist das voll in Ordnung.

Ich hänge nicht daran. Selbst als ich dann nach den Aufnahmen nach Amerika gegangen bin, bin ich auch wieder so einen Prozess durchlaufen, Isaak auf den Altar zu legen. Das hat mir extrem geholfen, weil ich jetzt merke, dass es gar nicht so viel mit mir macht. Ich freue mich natürlich total und ich liebe es Zeugnisse zu hören aber es ist nicht so, dass es mich verändert.


Was spürst du, was Gott gerade im Lobpreis in Deutschland tut?


Ich glaube, dass Menschen extrem hungrig sind nach wahrer Begegnung und nach Lobpreis und Liedern, die aus Begegnung heraus fließen. Wo man Gemeinden vor 10-15 Jahren vielleicht durch eine gute Performance beeindrucken konnte, sind heute die Menschen - und vor allem die junge Generation - davon beeindruckt, wenn sie Leute auf der Bühne sehen, von denen sie den Eindruck haben, dass sie Jesus wirklich kennen. Diese Leute sind authentisch leidenschaftlich und on fire. Da entsteht ein roher Hunger nach Gott und das liebe ich.


Deine Ermutigung an Lobpreisleiter?


Der Feind attackiert so gut wie immer den Bereich, in dem wir unsere größte Gabe und Berufung haben. Egal mit wem ich rede, fällt mir das auf. Selbst in meiner eigenen Geschichte war es so. Ich war 15, hatte das erste Lobpreisset geleitet und das Feedback meiner Leitung war: „Man merkt einfach ich habe die Autorität und du hast sie nicht.“ Das hat damals erstmal so viel mit mir gemacht. Oder auch im Schulchor, da habe ich nie ein Solo gesungen. Es hieß immer, wenn ich singe kommt zu viel Luft raus. Ich glaube es gibt viel mehr Lobpreiser, die mit so Gedanken kämpfen: „Was mache ich da eigentlich? Bin ich gut genug?“ Es muss uns bewusst sein, dass der Feind oft in Ich-Form spricht. „Ich bin nicht gut genug. Ich habe keine gute Stimme.“ Und so weiter. Bleib also dran und gib nicht auf, weil natürlich der Feind mit irgendwelchen Lügen oder Zweifeln kommen wird. Und das Zweite ist, dass

Lobpreisleiter zu sein bedeutet als Leviten und Priester berufen zu sein

und nicht nur, auf einer Bühne zu stehen und Musik zu machen. Denn wenn letzteres deine Vision ist, dann wirst du wenn du dann da bist ganz schnell merken, dass es sich komplett leer anfühlt und dass du weiterhin unzufrieden bist. Je größer die Events werden auf denen man singt, desto mehr merkt man danach, „Wow, das füllt mich überhaupt nicht aus:“ Wo man danach zu Jesus kommt und merkt, dass ist der Ort, der mich wirklich füllt. Du bist also zuallererst berufen als Priester vor Gott zu sein. Bau deine Geschichte mit Gott. Kenne Jesus wirklich, gehe tief mit ihm. Du kannst die Menschen nicht an einen Ort leiten, den du nicht kennst. Lass uns zusammen ein tiefes Fundament bauen. Lass uns mit den Zeiten Gottes gehen und keine Türen aufboxen, die Gott noch nicht geöffnet hat. Auch mit dem Album war der Grund, warum das dann so plötzlich explodiert ist, weil wir auf den Zeitpunkt Gottes gewartet haben. Leute hatten Jahre davor schon gesagt: „Ihr müsst unbedingt jetzt mal was aufnehmen.“ Und wir haben immer gespürt, es ist noch nicht die Zeit. Wenn wir mit dem Timing Gottes gehen und uns wirklich von ihm vorbereiten und reifen lassen, kann er uns gebrauchen und so viel Einfluss geben wie er möchte, weil wir eben dann nicht daran zerbrechen.


Danke, Nina, dass wir von dir lernen dürfen!


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